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Pen and Paper Arkovia: Die verschwundene Verlobte Teil III

Der Friedhof

Nachdem wir uns abermals zur Kutsche begeben hatten, fuhr uns diese zum  Friedhof. Es ging durch die Rauchstadt, vorbei am Bahnhof, durch das Künstlerviertel und Festival. Inzwischen war es Nacht und Nebel und Regen waren aufgezogen. (Das perfekte Wetter also für einen Spaziergang auf dem Friedhof) Den Weg überstand der arme Viktor leider abermals nicht unbeschadet und konnte seinen Mageninhalt nicht bei sich behalten und "übergab" ihn Talador (Dem Käse sei dank... )

Schließlich erreichten wir dann den Friedhof, den größten der Stadt, der von einem Metallgitter umzäunt auf uns wartete. Hier sammeln sich Grabmäler, kleinere Gebäudekomplexe, das Bestattungsinstitut und vieles weitere. Vor dem eigentlich Friedhof sind viele Erdhäufen Gräber zu finden, in denen die ärmere Bevölkerung begraben liegt, welche sich keinen Platz auf dem Gelände leisten kann.

 

 Wir erfuhren, dass hier auch eine Art "Widerbelebungsversicherung" angeboten wird, für Leute, die sich in einem speziellen Register befinden.  Dies ist allerdings sehr kostspielig (Aber ich bin sicher da lässt sich etwas mithilfe unser wundervollen Fähigkeit zur Schummelei regeln ) Jedenfalls schien dies die Möglichkeit zu sein, Elmara wieder ins Reich der Lebenden zu holen.

Vor dem steinernen Tor angekommen entdeckten wir ein Wachhäuschen, in welchem sich die Friedhofswächter aufhielten. Etwas entfernt stand außerdem ein Grüppchen von Menschen, die nicht sehr Vertrauensseelig wirkten. Das Tor war natürlich verschlossen, die Wachen wirkten gereizt und angespannt. Bei der Gruppe Menschen hörten wir Hunde kläffen.

 

Ana ging als Erste zu den Wachen um mit ihnen zu reden und vorzuschlagen, dass wir hier sein um Fälle von Grabschändung zu untersuchen. Eine Menschenfrau antwortete ihr und erzählte genervt von diversen Problemen mit den Gestalten, die wir schon entdeckt hatten. Sie würden hier desöfteren herumlungern, stehlen und Ärger machen. Wenn wir sie vertrieben würde sie uns Zugang zum Friedhof verschaffen.

 

Gesagt getan. Beatrice trat zu der Gruppe um mit ihnen zu reden und sie zu überzeugen zumindest heute zu verschwinden. Wie zu erwarten waren sie uns nicht freundlich gestimmt. Wir versuchten sie zu überzeugen zumindest die Reichen auszurauben und sich nicht an den Gräbern zu vergehen, doch sie zeigten sich ziemlich uneinsichtig und meinten, sie müssten ja irgendwie an Geld für Lebensmittel zu kommen. Erst als Ana ihnen den Rest ihres Proviants anbot zogen sie von dannen (Und wir waren endlich diesen schrecklichen Käse los) 

 

Der Weg über den Friedhof

Die Wärterin ließ uns schließlich zum Tor und beschrieb uns noch den Weg zum Grab einer Patrizierin, das wohl vor kurzem geplündert worden sei. Das Grabmahl war wohl aufgebrochen worden. Wir beschlossen uns das später anzusehen. Sie überreichte uns noch eine Karte und ließ uns schließlich alleine. Wir "schlenderten" also "gemütlich" über den (überhaupt nicht unheimlichen) nächtlichen Friedhof. Die Kieswege entlang, vorbei an Hecken, Gräbern und Statuen. Wir versuchten, zwar eher schlecht als recht, unsere Angst zu zügeln. Ana hatte hier mal ein Praktikum gemacht und kannte somit den Weg zum richtigen Gebäude. Der Nebel wurde langsam immer dichter und die mulmigen Gefühle nahmen zu. In der Ferne hörten wir das Läuten von Glocken (Ob sie wohl Unheil verkündeten wollten? ) Da ich mich noch immer ob der Vision wunderte, die mir mein Spiegel gezeigt hatte, beschloss ich ihn hier noch einmal auszuprobieren. Vielleicht reagierte er ja auch Orte, an denen etwas schlimmes passiert war und die etwas mit Toten zu tun hatten. Was wäre dafür also besser geeignet als ein Friedhof.

 

Und tatsächlich schien es zu funktionieren. Wir kamen an einer Baumgruppe  vorbei vor dem sich eine Ansammlung von Gräbern befand.  In den Bäumen hingen Verzierungen, die aus verwitterten Lumpen bestanden. Viktor erinnerte sich später, dass es sich dabei wohl um eine alte Druidische Bestattungsart handelt. Der Spiegel meldete sich und ich beschloss näher zu den Gräbern zu gehen. Ich verspürte wieder dieses seltsame Ziehen im Hinterkopf und befand mich auf einmal  im Körper eines Mannes. Ich hörte Schritte und lautes Zetern und der Mann flehte um Hilfe "Bitte, ich habe doch nichts davon gewusst!" Doch dies schien die anderen nicht im Mindesten zu beeindrucken. Ich wurde gepackt und über den Boden geschleift. Meine Hilferufe wurden ignoriert. Wir näherten uns den Gräbern und ich erkannte vermummte Gestalten, die vor einem offenen Grab standen. Ich spürte den Angstschweiß am ganzen Körper, das hämmernde Herz als sie mich näher zum Grab stießen und mich anbrüllten. Ich erfuhr, dass sie wohl zu den Jadedrachen gehörten und der Mann sie bestohlen hatte. Dies musste er bitter bezahlen. All das Flehen half nichts, der Mann wurde in das Grab gestoßen das gleich darauf zugeschüttet wurde... Schwitzend und verwirrt wurde ich wieder in meinen Körper gezogen und befand mich zum Glück wieder in der Wirklichkeit... (Bei den Höllen, was hast du dir da nur für einen seltsamen Spiegel zugelegt)

 

Als wäre dies noch nicht genug  behauptete Daevas auch noch, eine der Statuen am Wegesrand hätte sich gerade bewegt. (Hat sie wirklich, glaub mir!) Als ich an die betreffende Stelle schaute, war dort allerdings nichts zu sehen. Ich muss jedoch zugeben, der Statuenförmige Abdruck im Graß ließ uns doch misstrauisch werden... (siehst du!) Talador drängte uns weiterzugehen aber das ungute Gefühl wuchs nun mit jeden Schritt. Wir sahen uns weiter aus dem Augenwinkel um, meinten in der Ferne etwas Planschendes von etwas schwerem wahrzunehmen. An einer anderen Stelle raschelte es auf einmal und wir entdeckten einen abgebrochenen Ast. Plötzlich huschte etwas an uns vorbei. Etwas dunkles, glänzendes... beunruhigendes! Das war schlussendlich zu viel für meine Psyche und auf einmal verlor mein Geist vollkommen die Kontrolle über meinen Körper, es wurde schwarz für mich...

 

Und das ist die Stelle an der es endlich interessant wird. Denn endlich war ich -  der fabelhafte, gewitzte, gutaussehende (... stinkende Lustmolch dem ich das nicht erlaubt habe! Und ich hab dir nicht die Feder überlassen um dich über dich selbst zu beweihräuchern) ... nun gut... Daevas - an der Macht. Was für ein Freiheitsgefühl! Ich konnte mein Glück kaum fassen  und dies schien der beste Tag meines bisher so langweiligen Lebens zu werden. Gruseliger Ort hin und her. Elo wird sich schwer tun ihren plötzlichen Sinneswandel zu erklären. Ebenso das Flirten mit allen Anwesenden und die gute Laune die sie auf einmal allen grusel vergessen zu schien. Und endlich hatte ich die Möglichkeit diese Katze zumindest für kurze Zeit wieder loszuwerden. vor Freuden musste ich doch glatt über die Pfützen auf dem Weg hüpfen. 

 

In der Totenhalle

Schließlich hatten wir die Totenhalle erreicht. Ein sehr schmuckes, beeindruckendes großes Bauwerk. Drinnen sahen wir ein Licht, das sich von einem Ende zum anderen bewegte, es war also Jemand anzutreffen. Wir stiegen die steinernen Stufen hinauf und befanden uns in einem ca 8 Meter breiten Raum. Links und rechts waren Pritschen aufgebaut auf denen unter Leinentüchern einige Leichen lagen. Ihr Kopf lag erhöht und sie hatten die Münder geöffnet. Auf ihren Zungen lagen winzige, funkelnde Kristalle, die die Toten wohl vor bösen Geistern schützen sollen. Da heute so ein guter Tag für mich war, konnte ich es mir nicht verkneifen, einen dieser Kristalle einzusacken. Elo kann ihn später untersuchen. Anakis fand dies zwar alles andere als gut aber als sie nicht hinsah steckte ich den Stein wieder in die Tasche. Was sie nicht weiß...

 

Das Licht, das wir gesehen hatten stammte von einem alten Priester, der hier seine Runden drehte. Er sprach uns an und fragte uns ob wir die Leichenschänder jagten. Wir stimmten zu und Anakis folgte ihm in sein Schreibzimmer, in der er die Bücher der Toten, in denen sie registriert wurden aufbewahrte. Wir anderen sahen uns währenddessen um und ich beschloss die Leichen näher in Augenschein zu nehmen. Auch Beatrice tat dies und entdeckte schließlich unsere gesuchte Elmara. Sie sprach schließlich auch mit dem Priester und konnte ihn davon überzeugen, dass Elmara eine wichtige Zeugin in einem Kriminalfall sei und dringend widerbelebt wurde. Talador - dem wir den Anblick der Toten ersparten - unterschrieb glücklicherweise für uns den Vertrag und bezahlte das "Sümmchen" .

 

Das Ritual im Tempel

 Er machte sich auf den Priester zu wecken und wir halfen die Tote in den Tempel zu bringen, in dem das Ritual stattfinden sollte. Dort fühlte ich mich sofort unwohl. Ich habe Kirchen ja noch nie sonderlich gemocht aber dieser Tempel versprühte eine für mich sehr unangenehme Atmosphäre. Die Luft wurde auf einmal kalt und ich bekam Schmerzen im Hals. Außerdem meldete sich Elos Spiegel wieder. Ich beschloss ihn auch einmal zu testen und nahm ihn zur Hand.  

 

Die Version die sich diesmal abspielte war glücklicherweise harmloser als die Letzte. Ich erblickte mehrere, reich gewandete Priester, sowie eine aufgeregte Trauergemeinde. Gerade fand wohl die Widererweckungszeremonie statt. Ich sah alles durch eine Art Grauschleier. Auf einmal fing der Boden an zu leuchten und zu vibrieren. Der Körper des Toten, der dort aufgebahrt lag wurde ebenso von einem Leuchten erfüllt und erhob sich auf einmal! Sofort wurde er von den Anwesenden umarmt und ein Priester stellte ihm verschiedene Fragen. Der Widerbelebte schien benommen zu sein und war noch sehr Schwach. Angehörige flüsterten später er wäre angeblich nicht mehr der selbe und scheine noch verwirrt zu sein...

 

Schließlich endete die Vision, ich erzählte den Anderen in knappen Worten davon während wir halfen Elmara vorzubereiten. Wir legten ihren Körper auf einen steinernen Altar und der Priester zeichnete einen Kreis und seltsame Zeichen auf den Boden. Einige davon kamen mir bekannt vor und ich betrachtete sie neugierig. Sie schienen tatsächlich aus einer mir teilweise bekannten Sprache zu stammen, eine Art Psalm und gedankenverloren murmelte ich die mir bekannten Worte vor mich hin. Was dann passierte überraschte mich sehr und machte diesen Tag noch aufregender als er schon war. Ich hörte auf einmal etwas in der Ferne, einen Wind. Die dunklen Wände des Tempels wurden auf einmal durchsichtig und wir befanden uns auf einem großen Plateau. Um uns herum, große turmartige Gebäude aus Stein. Ein paar waren von Eis und Schnee bedeckt und auf manchen erkannte ich Symbole. Ein Teil von mir wurde mit einer großen Trauer erfüllt als ich sah, dass Gebäude und Säulen zusammenbrachen... Zusammen mit diesen fremdartigen Bildern schwand leider auch die Kontrolle über Elos Körper .

 

...Und endlich hatte ich mich wieder, doch der plötzlich Blackout und die Erfahrungen machten mir sehr zu schaffen.  Ich ließ mich erschöpft auf einer der Bänke nieder, streichelte geistesabwesend Fluff und ließ mich auf den neusten Stand bringen... Das Gehörte erfreute mich nicht besonders doch wenigstens begann nun die Zeremonie, was mich von meiner Lage ablenkte.

 

Die Zeremonie

Ich konzentrierte mich darauf und konnte bald das Kribbeln von mächtiger Magie spüren während die Priester die Psalme vortrugen. Ein leiser Lufthauch wehte und der Kristall der Priester begann zu leuchten. Ein angenehmes Licht. Schlussendlich wurde der Kristall durchsichtig und dann ganz schwarz ausgebrannt. Daraufhin passierte erst einmal nichts und wir Alle warteten gespannt was nun passierte. Nun, alle außer Anakis, die sich auf den Weg gemacht hatte Talador zu holen, der während der Zeremonie draußen gewartet hatte. Auf einmal jedoch regte sich Elmara und schaute in unsere Richtung. Es hatte geklappt! Beatrice, die am Rand des Kreises stand sprach sie schließlich an.

 Elmara blinzelte verwirrt und fragte wer sie sei.  Sie schien völlig neben der Spur zu sein. Der Papagei auf Beatrice Schulter wurde plötzlich unruhig und auch Viktors und Fluffs tierische Instinkte meldeten sich zu Wort. Beatrice erklärte Elmara wer wir waren und dass wir sie zurückgeholt hatten, was diese sehr überraschte aber auch freute "Es hat geklappt?"  und "Wir sind in Arkovia?" fragte sie dann und lächelte dankbar. Talador hatte inzwischen den Raum erreicht und rannte Elmara überglücklich entgegen und fiel ihr in die Arme. Diese jedoch schien sehr verdutzt, tätschelte ihn nur und schaute sich verwirrt um .Sie schien irgendwie nicht sie selbst zu sein. Eigentlich war sie uns als sehr Empathische Person beschrieben worden und dies kam uns seltsam vor.

 

Auf Nachfrage erzählte sie, sie sei an einem dunklen Ort gewesen, kann sich nicht recht erinnern. Ich beschloss der Sache doch näher auf den Grund zu gehen, meine Neugierde und das Gefühl, dass etwas seltsam war war zu stark. Ich wollte die Magie näher betrachten, die Elmara umgab. Für meinen Zauber musste ich sie mindestens eine Minute berühren. Also beschloss ich so zu tun als müsste ich sie untersuchen und ihren Puls fühlen. Sie stimmte zu.

 

Erst nahm ich die Magie der Widerbelebung wahr, ein eigenartiges Gefühl, ähnlich dem des Taschenspiegels. Wie ein dünner Schleier oder ein See hinter dem sich noch mehr zu befinden schien. Ich beschloss tiefer zu gehen, die Neugierde trieb mich weiter voran und ich konnte jetzt nicht aufhören auch wenn (oder gerade weil?) ich mich dadurch in Gefahr zu bringen schien. Denn auf einmal war mein Kopf erfüllt von Stimmen. Sie schienen gleichzeitig zu Flüstern und zu Schreien und erfüllten mich von großem Schrecken. Ich blickte in eine schwarze Nacht, ohne Sterne. Sie Stimmen brüllten mir Befehle zu und gerade als ich dachte, es nicht mehr aushalten zu können hörte es auf uns Elmara blickte in meine aufgerissenen Augen. "Da ist aber Jemand neugierig. Du weißt einfach nicht wann du aufhören sollst oder? " (... Scheiße... In was bist du da schon wieder reingeraten...  ) 

 

Fortsetzung folgt...

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